Lia Undomiel

Grauelfen-Hexenmeisterin

Bio:

Der Kontinent Cadeith, das Land des Abendsternes. Jede Nacht leuchtet am Himmelszelt das helle Gestirn im Westen, von welchem der Legende nach die Grauelfen stammen sollen. Die Kinder der Sterne bevölkerten den von Menschenhand zum größten Teil unbevölkerten Kontinent seit der Geburt der Welt, und ebensolange widmeten sie sich der Perfektion. Die Perfektion des Körpers und des Geistes ist der größte Antrieb für die edlen Geschöpfe, die Äonen leben und angeblich selbst dem Himmel beim Altern zusehen können. Doch vor Urzeiten, nachdem die Grauelfen schon Urzeiten die Gestade und Gebirge Cadeiths bevölkerten, zerbrach die Gesellschaft der noblen Wesen. Ein Streit ging durch das hellhäutige Volk. Welche Künste seien erstrebenswerter? Die ruhigeren, heutzutage als Turmelfen bezeichneten Sternenkinder widmeten sich der Perfektion der geistigen Eigenschaften. Sie wurden zu mächtigen Magiern, kreativen Dichtern und Denkern, zu Architekten oder Künstlern. Doch die wilderen, temperamentvolleren heutigen Wanderelfen erstrebten die Perfektion ihres von Natur aus bereits sehr schlanken, aber kraftvollen Körpers. Sie wurden begnadete Athleten und Akrobaten oder gefürchtete Kämpfer, die jedoch nie das Blut des Feindes, sondern den vollendeten Kampf herbeisehnten.
Und so errichteten die Turmelfen wunderschöne Häuser und Städte, in denen sie ihren Geist und ihren Sinn für Ästhetik pflegten, während die Wanderelfen alleine oder in Gruppen in die Welt hinauszogen.
Neben der eigenen Perfektion suchten die Grauelfen – egal ob sesshaft oder nicht – nach neuen Herausforderungen. Sie erforschten die Geschichte ihres Landes oder fremder Kulturen, lernten Sprachen, erkundeten feindselige Gebiete oder sammelten verschiedenste Kräuter, Pflanzen und Tiere wegen ihrer Ästhetik oder ihres Geschmacks.
Trotz dieser Gemeinsamkeiten waren die Differenzen zwischen diesen beiden Elfengeschlechtern unüberwindbar. Die Turmelfen, die selbst für elfischen Verhältnisse sehr eitel waren, sahen die Wanderelfen nicht als ihresgleichen. Sie konnten ihrer Meinung nach nicht an den geschärften Verstand der Turmelfen heranreichen, und verschwendeten ihrer Meinung nach ihre langwierige, aber trotzdem kostbare Lebenszeit mit nutzlosen Spielereien. Trotzdem waren die wandernden Grauelfen, die sich als Gaukler und Akrobaten verdingten, in den Höfen und Palästen der Grauelfen gerne gesehen, boten sie doch eine Ablenkung vom Alltag des Lernens. Eine solche Gauklertruppe besuchte auch einst die Stadt Amarandil, Geburtsort der Grauelfin Lia Undómiel. Die dunkelhaarige Grauelfin war Tochter des Fürsten der Küstenstadt, und widmete ihre Zeit der Perfektion der Hexenkunst, einer Tradition, die seit Generationen in ihrer Familie praktiziert wurde. Nie verspürte sie jedoch das Verlangen, in die Welt aufzubrechen und ihre Fähigkeiten auf die Probe zu stellen.
Doch selbst die übernatürlichen Grauelfen sind nicht Gefeit vor einem der mächtigsten Gefühle der Welt; Liebe.
Auch Lia ließ sich, als die Gaukler in Amarandils Palast hausierten, von den Darstellungen und Kunststücken der Wanderelfen hinreißen. Die artistischen Bewegungen der vornehmlich weiblichen Gaukler rangen ihr eine Spur Bewunderung ab. Doch als sie der Darbietung des Raevion Ondoloth beiwohnte, packte sie ein Gefühl, dass sie in ihrem bisherigen Leben noch nie zuvor spürte. Seine anmutige Demonstration mit dem Degen versetzte sie in einen Zustand, den sie im Nachhinein als eine Art Rausch bezeichnete. Lia wusste nicht, warum, doch sie musste dem Gaukler ihre Bewunderung verkünden. Sie wollte ihn wieder fechten sehen, und das Spiel seiner Muskeln genießen. Sie wollte wieder und wieder sein silbernes Haar betrachten, das bei dem Klingentanz so
sehr wirbelte. Nach einer Nacht unruhiger Meditation entschloss sie sich, Raevion aufzusuchen.
Doch die Gaukler waren fort.
Niemand wusste, wohin sie gingen. Vermutlich wussten die Wanderelfen dies selber nicht. Also packte Lia ihre Sachen, und verließ die Elfenstadt an der Küste des Zenitmeeres.
Auf ihrer ziellosen Suche lernte Lia viele wundersame Dinge kennen, und mit der Zeit spürte sie ein weiteres, unbekanntes Gefühl in sich aufkeimen: Wanderlust. Die Suche nach Raevion trat in den Hintergrund, doch verschwand nie. Lia erkundete verlassene Ruinen, und reiste mit einem Schiff in Richtung Osten, um die dunklen Lande kennen zu lernen, von denen sie so viel las.
Im Fleckenmeer jedoch geriet das Schiff in einen schweren Sturm und wurde beschädigt. Sie legten in Aspor an, der glühend heißen Stadt am südlichen Ufer einer Halbinsel. Sie wurde von dunkelhäutigen Menschen belebt, Kreaturen, die in allen Hinsichten wesentlich schwächer waren als Grauelfen, und deren Leben auch nur ein Bruchteil von einem elfischen währte.
Lias Neugierde war nichtsdestotrotz geweckt. Sie erkundete das neue Land, das in den Karten als Lordan bezeichnet wurde, und sog die Kultur und die verschiedenen Sprachen in sich auf.
Im Verlauf ihrer Reisen hörte sie immer öfter von Zusammenschlüssen von Menschen, sogenannten Gilden. Voller Interesse ging Lia diesen Gilden nach und trat der ersten bei, die sie fand – der Kriegergilde…

Lia Undomiel

Lordan TheDarkestLink