Aramil Siannodel

Drow-Waldläufer

Description:
Bio:

Aramil Siannodel
Die Drow erhoben sich.
Vor 400 Jahren überschwemmte eine Flut von Dunkelelfen, die aus der Erde kamen, die Länder im
Osten, und wuschen nahezu jegliches menschliches Leben in den unwirtlichen Landen südlich der
Ebenen hinfort.
Vor 300 Jahren errichteten die verzweifelten Menschen die Fünf Festungen zum Schutz gegen die
Dunkelelfen und barbarischen Nomaden der Ebenen. Zu viel Blut wurde von den Dunkelelfen in den
Grenzgebieten vergossen, als dass der König und der Rat tatenlos zusehen konnten, wie ihre
Bevölkerung dem dunklen Stahl der Unterirdischen zum Opfer fielen. Als die Bollwerke errichtet und
bemannt waren und dem anbrandenden Ansturm der Dunklen Elfen wieder und wieder trotzen,
fanden sich einige der Drow westlich des Walls versprengt und abgeschnitten von ihrem Volk im
Osten vor. Um ihr Überleben in der feindlich gesinnten, von Menschen bewohnten Gegend zu
sichern, schufen sie in den Ausläufern der Schwarzen Berge und des Alten Waldes das, wovon sie sich
eigentlich losrissen: Cael Caen, ein unterirdisches Refugium, groß genug, um hunderte Elfen
aufzunehmen und zu sammeln und den Krieg gegen die niedere Rasse der Menschen fortzuführen.
Die Menschen des Königreiches Lordan waren in den folgenden Jahren ratlos, wieso trotz der
beeindruckenden Wehranlage die Plünderungen in den Grenzgebieten kein Ende nahmen. Legenden
entstanden von den Jägern in der Nacht, die Menschen nur zur eigenen Belustigung hetzten und
schwer verletzt verschleppten und einer düsteren Gottheit opferten. Der panische Rat des Königs
streute Gerüchte einer Seuche, da auch die mächtigen Männer und Frauen nicht wussten, was die
Grenzdörfer dahinraffte. Doch Seuchen, das merkte das Menschenvolk schnell, schlägt keine blutigen
Wunden…
Wie der Zufall es wollte, hätte die Entdeckung der mittlerweile festungsartigen Stadt Cael Caen nicht
unglücklicher für ihre Bewohner sein können. Ein namenloser Ziegenhirte stieg einem verloren
gegangenen Tier nach und entdeckte eine kleine Schar der Elfenplünderer, wie sie den durch Magie
versiegelten Eingang in die unterirdische Festung freilegten.
Das Wort über diese Begebenheit erreichte die Heerführung der Menschen ungewöhnlich schnell,
und mindestens genauso schnell wurde eine Armee entsandt, um der Lage im Nordosten Herr zu
werden.
Aramil Siannodel war eines der ersten Kinder der neu gegründeten Stadt. Als Sohn der obersten
Generälin, Fürstin und Begründerin von Cael Caen hätten ihm alle Wege zur Macht offen gestanden,
wäre er nicht mit dem falschen Geschlecht geboren. Seit Äonen schon hatte kein männlicher Drow
eine wichtige Position in dieser stark matriarchalischen Gesellschaft mehr bekleidet. Doch der
ehrgeizige junge Adelige meisterte schon früh die hohe Kunst der Zwei Schwerter und des
Langbogens. Sein Lehrmeister, Arazshir Syndaril, führte an zweiter Stelle die eine der größten
Dunkelelf-Armeen in der Zeit der Spinnenkriege, und war ein hoch angesehener Krieger. Aramils
Kindheit war also geprägt von der unnachgiebigen Ausbildung an der Waffe. Arazshirs Drill war hart,
doch stets vermittelte er seinem einzigen Schüler den Respekt vor seinen Gegnern.
Das höchste Gut für einen erschlagenen Krieger sei es, so lehrte Arazshir, im Körper seines
Bezwingers weiterleben zu dürfen. So wird der Lebenssaft des gefallenen Feindes, sofern er ein
würdiger Gegner war, von der Klinge geleckt und ihm somit Respekt gezollt.
Im jungen Alter von nur 45 Jahren schloss sich Aramil den Nachtjägern an. Diese kleine Elitegruppe
von nur fünfzehn Drow, der auch Arazshir Syndaril angehörte, terrorisierte die Grenzbevölkerung seit
der Errichtung der Fünf Festungen, und lieferte den stätig benötigten Nachschub an menschlichen
Opfergaben für die Spinnengöttin Lolth. Aramil lernte bei den Nachtjägern, die oft tage- und
wochenlang durch die Ausläufer des Alten Waldes streiften, verschiedenste Tarnungs- und
Überlebensfähigkeiten, und war bald berüchtigt für seine kaltblütige Präzision mit dem Langbogen.
Doch die Dunklen Elfen waren sich nicht im Klaren über die Streitmacht, die eilig vom König
aufgestellt wurde, um die unterirdische Stadt zu vernichten. Auf dem letzten Streifzug der Nachtjäger
wurde die kleine Truppe von einer Vorhut der Menschen überrascht. Drei seiner Begleiter fielen,
noch bevor Aramil seine Klingen zücken konnte, an die widerwärtigen Armbrüste der Menschen. In
einem Rausch des Blutes tauchte Aramil seine Klingen tief ins Fleisch seiner Gegner und verteilte das
Rot des Lebens an den ehrwürdigen Kiefern des Alten Waldes. Doch seine Mühen waren erfolglos,
die Hauptstreitmacht war bereits auf der Straße aus dem Westen in Reichweite, als Aramil sich von
seinen Opfern erhob. Die verbleibenden dreizehn Nachtjäger waren inzwischen umstellt, und das
dunkle Blau der Dämmerung legte sich bereits über die Welt. Mit dem Mut der Verzweiflung warfen
sich die dreizehn Krieger gegen jeden Mann, den die riesige Armee gegen sie warf. Doch am Ende
sollte ihnen eine alltägliche Begebenheit den letzten Stoß versetzen…
Als Arazshir erkannte, dass die kleine Drowtruppe umstellt wurde, wendeten die Nachtjäger der
Hauptstreitmacht der Menschen den Rücken zu und versuchten, durch die wenigen Männer zu
brechen, die sie von Osten her attackierten. Mann für Mann fiel im blutigen Tanz der Klingen, und
selbst die Armbrüste der Menschen waren dank der Reflexe der Drow keine große Bedrohung. Der
Kampf forderte jedoch seinen Tribut, und nach und nach dezimierte sich die Jägertruppe.
Die letzten sechs Dunklen Krieger waren in greifbarer Reichweite zur Flucht. Nur noch etwa zwei
Dutzend Armbrustschützen und ebensoviele Speerträger versperrten ihnen den Weg. Die Elfen
stürmten siegessicher auf die letzten Menschen, die ihnen im Weg standen zu. Doch kurz vor dem
Aufprall brach die Morgensonne über den Wall am Horizont. Die Dunkelelfen, die dank ihrer roten
Augen eine exzellente Sicht in der Nacht haben, waren geblendet durch das erste Licht des Tages. Die
Menschen nutzten ihre Chance. Geblendet und kurze Zeit starr vor Schmerz waren die Elfenkrieger
ein leichtes Ziel für die todbringenden Bolzen. Ein Drow nach dem Anderen fiel, durchbohrt von
mehreren Geschossen. Der in der Kampfkunst extrem bewanderte Arazshir erreichte trotz der
Blendung die Reihen der Gegner. Nur durch seine geschärften Instinkte wich er den Speerspitzen und
Bolzen aus und verfiel in einen Tanz aus Blut und Schmerz. Doch der Hauptmann der kleinen
Menschentruppe schaffte es, einen Bolzen auf den Lehrmeister abzuschießen, den Arazshir aufgrund
des hellen Lichts erst zu spät bemerkte. Das Geschoß durchbohrte sein Schulterblatt und
beeinträchtigte seine Bewegung. Vom Schmerz unterbrochen, bot er seinen Gegnern ein leichtes
Ziel. Doch er alte Krieger war nicht so einfach unterzukriegen. Trotz der Verletzung erhob er seine
Klinge erneut und streckte mit scheinbarer Leichtigkeit drei Soldaten der Menschen nieder, bevor ein
weiterer Bolzen sein Bein traf. Von Schmerz gepeinigt, fiel der Schwertmeister auf die Knie. Für einen
kurzen Moment hockte er scheinbar reglos zwischen den Menschen, die ihn von allen Seiten
umzingelten. Jedoch machten die feindlichen Soldaten den fatalen Fehler, den alten Drow für
gebrochen und besiegt zu halten. Mit einem gewaltigen Kraftakt erhob Arazshir sich noch ein letztes
Mal und schlitzte zwei weiteren Menschen die Kehle auf, bevor ihn der tödliche Bolzen des
Befehlshabers in den Rücken traf und seine Rüstung durchschlug. Der alte Schwertmeister sank
keuchend zu Boden. Sein letzter Gedanke mag wohl den zahlreichen Schlachten seines langen Lebens
gegolten haben, durch die er seinen Ruhm erlangte.
Der an einen Baum geprallte Aramil konnte nur voller Schrecken zusehen, wie sein Lehrmeister durch
Menschenhand starb. Eine übernatürliche Wut durchzog seinen sehnigen Körper, und trotz des
stechenden Schmerzes in seinen Augen preschte er mit gezogenen Klingen auf die verbleibenden
Feinde zu. Bis heute sieht er nur einen roten Schleier und Kaskaden aus Blut, wenn er versucht, sich
an diesen Morgen zu erinnern. Weder an seine Reise mit dem leblosen Körper seines Meisters in den
Händen noch an die eilig einberufene Audienz mit seiner Mutter findet sich eine Erinnerung in
seinem Gedächtnis. Lediglich der Gedanke an das Begräbnis seines Lehrmeisters blieb.
Nach seiner Genesung führte Aramil eine neue Einheit von versierten Waldläufern an, die den
Nachschub und weitere empfindliche Ziele der riesigen Armee der Menschen traf. Die erste
Belagerung von Cael Caen wurde zurückgeschlagen, und endete auf beiden Seiten mit
vergleichsweise horrenden Verlusten. Über drei Jahre dauerte der blutige Krieg in den östlichen
Grenzregionen, dem tausende Menschen und hunderte Drow zum Opfer fielen.
Dann erzielten Diplomaten der beiden Fraktionen ein Abkommen. Der Silberpakt sagte aus, dass die
Armeen der Menschen die Belagerung von Cael Caen beenden würde, wenn die Drow sich ab diesem
Zeitpunkt friedlich gegenüber der Grenzbevölkerung verhalten würde. Aramil war erzürnt über
dieses Zeichen der Schwäche gegenüber den Menschen. Die Wut über die Nachgiebigkeit seiner
Mutter und Herrscherin zermürbte ihn. Das Leben am Hofe der befriedeten Elfen widerte den
Adelssohn an.
Einige Jahre später zerstritt er sich mit der Herrscherin von Cael Caen, und zog es vor, ein Leben in
Einsamkeit zu fristen, als noch einen Tag länger in dem Pfuhl der Schwäche zu hausen, aus dem er
stammt. Er träumte davon, sich einer großen Streitmacht östlich der Mauer anzuschließen, und eben
diese mit eigenen Händen niederzureissen und das Land der Menschen mit ihrem Blut zu
überschwemmen. Die Reise durch die verschneiten Pässe und steilen Abgründe der Schwarzen Berge
war gefährlich, doch ein Kinderspiel dem gegenüber, was ihm in den Ebenen begegnete. In den
folgenden Jahren bewährte sich der junge Fürstensohn gegen namenlose Gefahren, nur um sich der
obersten Generälin in Nehmzhar anzuschließen.
Er selber weiß nicht, wie lange er von Cael Caen durch die Ebenen nach Nemzhar reiste. Doch als er
die ehemalige Einöde und erste Festung nach der Erhebung der Dunkelelfen sah, übermannte ihn
eine Mischung aus Trauer und Wut.
Keine Spur mehr war zu sehen von den den edlen und kriegerischen Töchtern und Söhnen Lolths, die
auf Vergeltung gegenüber den Menschen und Elfen trachteten. Stattdessen stellte sich Nemzhar als
florierende Metropole heraus, in der die Drow Seite an Seite mit all den niederen Völkern lebten, die
sie vor Jahren noch zu vernichten suchten.
Angewidert trieb es Aramil fort von dieser Stätte des Hedonismus, und er bereiste Länder, die im
westlichen Königreich keine Namen tragen. In den folgenden Jahren begegnete er unzähligen
Gefahren und entging mehr als einmal nur knapp dem Tod.
Ob er darüber Traurigkeit empfinden sollte, weil seine Existenz in dieser verabscheuungswürdigen
Welt fortdauern sollte oder ob er sich freuen sollte, weil seine Fertigkeiten durch die Lektionen, die
er aus diesen Situationen ziehen konnte, nach jeder Schlacht wuchsen, konnte Aramil selbst einmal
nicht genau sagen.
Nach langer Zeit der Askese im Wald kehrte er auf der Jagd nach einem Nekromanten, der die heilige
Totenruhe störte und sich als besonders hartnäckiges Opfer herausstellte, in die zivilisierteren
Regionen der Welt zurück. Dort bewegte er sich als Schatten durch die Städte der Menschen,
während er fortwährend auf der Suche nach seinem Ziel war. Nur durch seine Disziplin und
Selbstbeherrschung war Aramil in der Lage, den verachtenswerten Gestank der Menschen zu
ertragen, der die größeren Siedlungen der Menschenkönigreiche wie ein Schleier einhüllte. Eines
Tages fand er seine Zielperson endlich in Silberhall, die Hauptstadt des Volkes, das seinen
Lehrmeister auf dem Gewissen hatte. Es stellte sich jedoch heraus, dass der erfahrene Waldläufer
den Nekromanten unterschätzt hatte. Als Aramil versuchte, den dunklen Magiewirker aus dem
Hinterhalt auszuschalten, wurde er durch einen Schutzzauber fortgeschleudert, der
besorgniserregend viel Aufsehen verursachte. Durch den Tumult wurde ein höherer Offizier der
Kriegergilde auf die Situation aufmerksam und verfolgte den flüchtenden Aramil in eine Sackgasse,
während der Nekromant die Gelegenheit nutzte, um zu verschwinden. Da Aramils Fluchtweg
abgeschnitten war, blieb ihm nur die Möglichkeit, gegen den Krieger zu kämpfen, der sich im Verlauf
des Duells jedoch als ebenbürtiger Gegner erwies. Nach einem langen Kampf, bei dem beide
Kontrahenten einige leichtere Verletzungen erlitten, aber keinen entscheidenden Treffer setzen
konnten, gelang dem Waldläufer dennoch schließlich die Flucht. Er verwendete einen Trick, den ihm
sein alter Lehrmeister beigebracht hatte.
Aramils Respekt für den Krieger war geweckt und er nutze die nächste Zeit, um sich über die
sogenannte „Kriegergilde“ zu informieren, deren Abzeichen er an der Rüstung seines Kontrahenten
während der Auseinandersetzung bemerkt hatte. Nachdem der Drow ausreichend viele
Informationen über die Taten und Helden der Kriegergilde zusammengetragen hatte, beschloss er,
sich dem Großmagnus vorzustellen und dieser Gemeinschaft mutiger Krieger beizutreten, um die
Kontakte und Mittel der Gilde zur Verfolgung seiner Ziele zu benutzen und für das Töten, das ihm so
leicht fällt, bezahlt zu werden…

Aramil Siannodel

Lordan TheDarkestLink